P(amper)S-Boliden
September 16th, 2008Da ich gerade im Rechenzentrum sitze und mich langweile, weil die Druckaufträge unglaublich viel Zeit in Anspruch nehmen, nutze ich doch mal die Zeit, um über ein sagenhaftes, ja fast schon fabulöses Geschehnis zu berichten.
Es gibt einen Neuzugang in meinem Potpourri der meist verachtesten Menschengruppierungen.
Es sind diese Familienväter, die frustriert sind, dass sie nun ein Kind am Hals haben. Der Traum, sich bald eine Corvette oder einen Porsche 911er zu kaufen, ist ausgeträumt. Die bittere Realität tritt von hinten aus einem Nici-Kindersitz gegen die Rückenlehne vom Fahrsitz und hat die Windeln voll.
Damit der männliche Drang nach Pferdestärken, SuperPlus-Kraftstoff und röhrenden Auspuffanlagen aber trotzdem befriedigt werden kann, entschliesst sich der Mann dazu, beim Kauf eines Famlien-Vans unbedingt die stärkste Motorisierung zu wählen.
Die Folge dieses, möglicherweise genetische bedingten, Verhaltens führt dazu, dass auf Deutschlands Strassen jede Menge Möchtegern-Michael-Schuhmachers in fahrenden Windeltransportern mit einer Fahrdynamik von einbetonierten Badewannen rumkurven und meinen, sie wären die Helden des Asphalts. Und eben jener würde auch ganz alleine ihnen gehören, da man ja schliesslich 180 PS unter den Arschbacken sitzen hat.
Manche werden sich nun fragen, wie ich jetzt darauf komme. Nun gut. Es hat sich also Folgendes zugetragen:
Ich stehe letzte Tage an der Bahnschranke in Sankt Augustin am Kloster und will nach rechts auf die B56 in Richtung Bonn abbiegen. Ich stehe auf der linken Spur, da die Rechte hinter der Biegung endet und in die Linke mündet. Neben mir auf jener rechten Spur steht ein Ford Frag-mich-nicht. Familen-Van mit Vater, Mutter und Kind an Bord.
Die Ampel wird grün, ich fahr los, Hobby-Hamilton auch. Wir fahren fast auf gleicher Höhe um die Kurve und als die rechte Spur endet, steigt Pseudo-Schumi voll auf die Bremse, schert ein und betätigt wild die Licht-Hupe. Ich konnte mir schon denken, warum er so reagiert hat, aber an der nächsten Ampel wollte er mir das auch noch mal persönlich mitteilen.
Er steigt also an der nächsten roten Ampel aus, kommt an meine Fahrertuer und sülzt mich durch das offene Fenster an, was mir denn einfallen würde, ihm die “Tür” zu zumachen.
Jetzt muss man dazu erläutern, dass der Begriff “die Tür zumachen”, wie er ihn auffasst, aus dem Rennsport stammt. Das damit verbundene Fahrmanöver beinhaltet lediglich das Einlenken in die Innenseite einer Kurve, so dass der Verfolger nicht am Fahrer vorbeiziehen kann. Bei einer Schikane im Sinne einer S-Kurve würde dies übrigens das Blockieren der Außenseite vor der Einfahrt in die Schikane bedeuten, da man dadurch dem Verfolger die bessere Position beim Herausfahren aus der Schikane verwehrt.
Ich habe ihm die Tür also nicht zu gemacht, sondern einfach nur das Einfädeln im Sinne des Reißverschlussverfahrens verweigert. Das habe ich ihm so natürlich nicht mitgeteilt. Ich sagte also auf seine liebenswert provokante Äußerung: “Hör mal, Niki Lauda, du solltest dir lieber Sorgen darüber machen, was passiert, wenn ich die Tür aufmache.” Damit meinte ich hingegen meine Fahrertür.
Er schien davon recht unbeeindruckt und es folgte ein Wortgefecht, was darin endete, dass er meine Fahrertür öffnete. Ich schaute noch mal in den Rückspiegel. Kein schwarzer SUV mit getönten Scheiben, in dem die halbe Besatzung von Inkasso Rotterdamm sitzen könnte. Der Typ wusste offensichtlich nicht, was er da gerade tat.
Bevor die Tür komplett geöffnet war, hatte ich mich schon abgeschnallt und einen Fuß auf dem Asphalt. Ich stieg aus und überragte Rollsplitt-Ralle um knapp einen Kopf. Er schien mir auch nicht so wirklich kräftig und er schien seine Optionen auch noch mal zu überdenken. Er sagte noch, dass Verkehrrowdies, wie ich einer wäre, eine Lektion erteilt bekommen müssten. Ich erwiderte: “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.” Die Diskussion wurde etwas hitziger und lauter und endete darin, dass ich ihn packte und mich darauf vorbereitete, seinen Schädel durch den Motorblock seines Pampers-Bombers zu donnern.
Ich schaute dann noch mal auf die Fahrgastzelle seines Wagens. Seine Frau schien erschrocken, aber auch beschämt. Ich sagte dann zu ihm: “Setz’ dich wieder in deine Kackschleuder und kümmer’ dich um deine Familie. Bete dafür, dass wir uns nie wieder unter solchen Umständen wiedersehen oder dein Kind wird als Waise aufwachsen müssen.”
Die Nachricht war offensichtlich angekommen. Ich stieg in meinen Wagen und konnte gerade rechtzeitig noch über die grüne Ampel fahren.
Auch wenn das vielleicht etwas drastisch gewesen ist, bin ich der Meinung, dass es angebracht war. Wie kann man nur so bescheuert sein und so rasen, wenn man seine Frau und seinen Nachwuchs dabei hat. Und dann noch jemand anmaulen, der angeblich ein Verkehrssünder sein soll.